DIW-Studie: Krankschreibungen steigen deutlich

Berlin, 13. Mai 2026 (JPD) Krankheitsbedingte Fehlzeiten von Beschäftigten in Deutschland sind 2022 deutlich gestiegen und erreichten im Schnitt 15 Fehltage je Erwerbsperson, ein Plus von rund 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) gilt nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) nicht als Hauptursache des Anstiegs.

DIW-Studie zu Fehlzeiten: Atemwegserkrankungen und Verhalten nach Pandemie im Fokus

Die DIW-Analyse widerspricht der Annahme, der sprunghafte Anstieg sei vor allem ein statistischer Effekt der seit 2022 eingeführten eAU. Zwar habe sich die Erfassung von Krankmeldungen verändert, die SOEP-Daten zeigten jedoch unabhängig davon ebenfalls einen Anstieg der Fehltage. Während amtliche Statistiken ein Plus von 32 Prozent ausweisen, ergibt sich im SOEP eine Zunahme von 19 Prozent.

Als zentrale Treiber nennen die Forschenden vermehrte Atemwegserkrankungen sowie verändertes Verhalten im Krankheitsfall nach der Corona-Pandemie. Daten der Krankenkasse AOK verweisen insbesondere auf einen deutlichen Anstieg entsprechender Diagnosen im Jahr 2022. Auffällig sind zudem soziodemografische Unterschiede: Ältere Beschäftigte und Personen mit größeren gesundheitlichen Sorgen fehlten häufiger und verzeichneten besonders starke Zuwächse bei den Fehlzeiten.

Nach Einschätzung von DIW-Forscher Markus Grabka hat sich zudem die Bereitschaft erhöht, bei ansteckenden Erkrankungen vorsorglich zu Hause zu bleiben. Vulnerable Gruppen verhielten sich dadurch zurückhaltender als vor der Pandemie.

Von Maßnahmen wie Lohnkürzungen im Krankheitsfall oder zusätzlichen Karenztagen rät die Studie ab, da diese laut Grabka Präsentismus begünstigen könnten. Stattdessen wird eine Teilkrankschreibung vorgeschlagen, die eine reduzierte Arbeitsleistung bei leichter Erkrankung ermöglichen könnte. Ergänzend plädiert das DIW für stärkere Präventionsmaßnahmen, insbesondere im Bereich psychischer Gesundheit, da diese zunehmend zu den zentralen Ursachen für Arbeitsausfälle zählen.

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