DIW-Konjunkturbarometer April: Krieg im Nahen Osten dämpft fragile Erholung

Berlin, 29. April 2026 (JPD) Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) ist im April leicht auf 97,9 Punkte gestiegen. Damit bleibt der Wert weiterhin unter der neutralen Marke von 100 Punkten, die ein durchschnittliches Wachstum der deutschen Wirtschaft anzeigt. Der seit dem Herbst beobachtete Erholungstrend ist damit vorerst unterbrochen, auch wenn das Niveau weiterhin über dem Vorjahreswert liegt.

DIW-Konjunkturbarometer: Wirtschaftliche Erholung verliert an Dynamik

Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland wird derzeit deutlich von geopolitischen Spannungen im Nahen Osten beeinflusst. Die daraus resultierende Unsicherheit an den internationalen Energiemärkten hat die Öl- und Gaspreise steigen lassen und damit den Inflationsdruck erhöht. Unternehmen sehen sich steigenden Kosten, einer schwächeren globalen Nachfrage sowie zunehmenden Risiken in den Lieferketten gegenüber. Gleichzeitig wird die Kaufkraft privater Haushalte spürbar belastet, was sich zunehmend auch auf die Binnenkonjunktur auswirkt.

Die zuvor noch stabilisierend wirkende Inlandsnachfrage verliert damit an Kraft. Zwar tragen staatliche Impulse in den Bereichen Verteidigung, Infrastruktur und Klimatransformation zur wirtschaftlichen Stabilisierung bei, ihre Wirkung wird jedoch durch externe Belastungen überlagert. Besonders deutlich zeigt sich die Eintrübung in der Industrie, deren Lage bereits vor der jüngsten Eskalation schwach war. Zwar stützen einzelne staatliche Nachfrageeffekte bestimmte Segmente, eine breit angelegte Erholung bleibt jedoch aus.

Auch die Erwartungen der Unternehmen haben sich zuletzt verschlechtert. Nach Angaben des DIW gingen die ifo-Geschäftserwartungen im März und April spürbar zurück. Die Investitionsbereitschaft bleibt entsprechend gedämpft, da geopolitische Unsicherheiten, Energiepreise und die globale Konjunkturlage die Planung erschweren.

Im Dienstleistungssektor zeigt sich ebenfalls eine leichte Eintrübung. Die nachlassende Kaufkraft der Haushalte belastet das Konsumklima und führt zu vorsichtigeren Geschäftserwartungen. Der Arbeitsmarkt bleibt zwar insgesamt stabil, die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen sinkt jedoch im Vergleich zu früheren Phasen der konjunkturellen Entwicklung.

DIW-Konjunkturexperten bewerten die aktuelle Lage als Phase erhöhter Unsicherheit. Die externe Belastung durch den Nahost-Konflikt treffe auf eine ohnehin fragile wirtschaftliche Erholung und verstärke bestehende strukturelle Schwächen der deutschen Wirtschaft.

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