Bundeswehr plant tiefgreifende Neuordnung der Rüstungsbeschaffung und Innovationsförderung

Berlin, 20. Mai 2026 (JPD) Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat erste Ergebnisse der Reformagenda Rüstung vorgestellt. Die Maßnahmen betreffen die Neuorganisation des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw), eine Neugestaltung der Beschaffungsprozesse sowie den Ausbau der Innovationsförderung der Bundeswehr. Der Minister informierte hierzu den parlamentarischen Raum.

Kern der Reform ist eine flexiblere Struktur des BAAINBw. Das Beschaffungsamt soll künftig stärker an den Bereichen Land, Luft, See, Cyber- und Informationsraum sowie Weltraum ausgerichtet werden. Vorgesehen ist ein Matrixsystem, das starre Zuständigkeiten auflösen und eine schnellere Bildung projektbezogener Teams ermöglichen soll. Zudem sollen Marktbeobachtung, Lieferantenmanagement sowie Lieferketten- und Preiskontrolle ausgebaut werden.

Die Präsenz des Beschaffungsamtes in Bremen und Dresden soll erweitert werden. In Bremen liegt der Schwerpunkt auf Raumfahrt- und Marinekompetenzen, in Dresden auf Cyber- und Informationstechnologie. Darüber hinaus ist eine Repräsentanz in Brüssel geplant, um die Zusammenarbeit mit EU- und NATO-Partnern sowie die Koordination multinationaler Programme zu stärken. Auch Regierungsverkäufe und Rüstungsexporte sollen ressortübergreifend gezielter unterstützt werden.

Schnellere Beschaffung und neue Innovationszentren

Die Reformagenda sieht zudem eine Straffung der Bedarfsdeckung von der Planung bis zur Beschaffung vor. Künftig sollen Prozesse nicht mehr strikt nacheinander abgearbeitet werden. Stattdessen sollen Verfahren je nach Projektart angepasst werden. Vorgesehen sind unter anderem Fallgruppen für besonders dringliche Beschaffungen, innovationsorientierte Vorhaben und komplexe Großprojekte.

Nach Angaben des Ministeriums sollen disruptive Technologien sowie europäische und multinationale Beschaffungswege frühzeitig identifiziert und gefördert werden. Die Umsetzung der Reformen soll durch ein Feinkonzept, ein begleitendes Change-Management sowie einen neuen wissenschaftlichen Beirat unterstützt werden.

Ergänzend zum Innovationszentrum der Bundeswehr in Erding soll ein weiterer Standort in Kiel entstehen. Das Verteidigungsministerium verweist dort auf die Nähe zur Deutschen Marine sowie zu Forschungseinrichtungen und Unternehmen der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Der Aufbau des Innovationszentrums in Kiel soll parallel zum personellen Ausbau des Standorts Erding noch im laufenden Jahr angestoßen werden.

Markiert:
Cookie Consent mit Real Cookie Banner