
München, 13. August 2026 (JPD). Die für 2027 geplante Einkommensteuerreform der Bundesregierung wird nach Einschätzung des ifo Instituts kaum zusätzliche Wachstumsimpulse auslösen. Die Reform gleiche im Wesentlichen die sogenannte kalte Progression aus und sehe zugleich eine höhere Belastung von Spitzeneinkommen vor, teilte das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut am Donnerstag mit.
„Die Einkommensteuerreform der Bundesregierung ist eher Ausgleich als Aufbruch“, sagte ifo-Präsident Clemens Fuest. Echte Entlastungen, die zu mehr Beschäftigung und Wirtschaftswachstum führen könnten, blieben aus.
Nach Berechnungen des Instituts dürfte das Arbeitskräfteangebot durch die geplanten Änderungen lediglich geringfügig steigen. Gleichzeitig werde die Reform den Staatshaushalt mit rund zehn Milliarden Euro belasten.
Deutlich stärkere Beschäftigungseffekte könnten nach Ansicht der Forscher durch strukturelle Änderungen erzielt werden. Eine Umwandlung des Ehegattensplittings in ein Realsplitting, die Abschaffung des Solidaritätszuschlags und eine Reform der Kürzung von Sozialleistungen bei zusätzlichem Erwerbseinkommen könnten demnach das Arbeitsangebot um 200.000 bis 400.000 Vollzeitstellen erhöhen. Nach Angaben des ifo Instituts ließe sich dies ohne zusätzliche Belastung des Staatshaushalts umsetzen.
Kritisch bewertet das Institut insbesondere die geplante Gegenfinanzierung über höhere Steuersätze für hohe Einkommen. Nach dem Reformkonzept soll der Steuersatz ab einem zu versteuernden Einkommen von 278.000 Euro 45 Prozent betragen. Ab 280.000 Euro ist demnach ein Steuersatz von 47 Prozent vorgesehen.
Zusammen mit dem Solidaritätszuschlag liege die Grenzbelastung bei diesen Einkommen damit bei nahezu 50 Prozent. Das ifo Institut warnt, dass die höhere Belastung nicht nur besonders gut verdienende Arbeitnehmer treffe, sondern vielfach auch Personengesellschaften und damit mittelständische Unternehmen.
Die Forscher schlagen stattdessen vor, weitergehende Entlastungen bei der Einkommensteuer zumindest teilweise über eine höhere Mehrwertsteuer zu finanzieren. Denkbar sei etwa ein Abbau ermäßigter Mehrwertsteuersätze.
Deutschland liege bei der Belastung von Arbeit im internationalen Vergleich bereits im Spitzenfeld, während die Besteuerung des Konsums eher im Mittelfeld liege, erklärte Andreas Peichl, Leiter des ifo Zentrums für Finanzwissenschaft. Eine stärkere Besteuerung von Waren und Dienstleistungen würde nach Einschätzung des Instituts Investitions- und Arbeitsanreize weniger beeinträchtigen als höhere Steuern auf Spitzeneinkommen und Unternehmensgewinne.
Grundlage der Analyse ist das am 1. Juli 2026 im Koalitionsausschuss beschlossene Reformpaket zur Einkommensteuer.





