Weniger Straftaten in Niedersachsen – Messerangriffe nehmen zu

Hannover, 16. März 2026 (JPD) Die registrierte Kriminalität in Niedersachsen ist im Jahr 2025 erneut zurückgegangen. Nach der am Montag vorgestellten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) sank die Zahl der Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um 4,28 Prozent. Die Aufklärungsquote lag mit 62,72 Prozent weiterhin auf einem hohen Niveau. Auch die sogenannte Häufigkeitszahl, die Straftaten pro 100.000 Einwohner abbildet, ging auf 6.329 zurück und erreichte damit den drittniedrigsten Wert der vergangenen zehn Jahre.

Der Rückgang betrifft nahezu alle Hauptdeliktgruppen der Statistik, darunter Straftaten gegen das Leben, gegen die sexuelle Selbstbestimmung, gegen die persönliche Freiheit sowie Diebstahls- und Vermögensdelikte. Auch bei Verstößen gegen strafrechtliche Nebengesetze wurden weniger Fälle registriert. Einfluss auf diese Entwicklung hatte nach Angaben des Innenministeriums unter anderem die Teillegalisierung von Cannabis.

Messerangriffe steigen gegen den Trend der Gesamtkriminalität

Während die Gesamtkriminalität zurückging, stieg die Zahl der Messerangriffe. Die Polizei registrierte 3.185 Fälle und damit 4,26 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders deutlich nahm die Zahl der Bedrohungen mit Messern zu, die inzwischen mehr als die Hälfte der erfassten Fälle ausmachen. Dagegen ging die Zahl gefährlicher und schwerer Körperverletzungen mit Messerbezug zurück.

Zur Eindämmung dieser Entwicklung setzt das Land auf Waffen- und Messerverbotszonen in mehreren Städten sowie auf ein landesweites Verbot des Führens von Waffen und Messern im öffentlichen Personennahverkehr. Die entsprechende Verordnung soll nach Angaben des Innenministeriums kurzfristig in Kraft treten und Busse, Bahnen, Fähren sowie Haltestellenbereiche einbeziehen.

Häusliche Gewalt verharrt auf hohem Niveau

Die Polizei registrierte 2025 insgesamt 32.540 Fälle häuslicher Gewalt und damit nahezu unveränderte Zahlen gegenüber dem Vorjahr. Darunter befanden sich mehr als 19.000 Körperverletzungsdelikte. Zudem wurden vier vollendete und 17 versuchte Morde sowie neun vollendete und 29 versuchte Totschlagsdelikte im Kontext häuslicher Gewalt erfasst.

Zur Bekämpfung dieser Delikte plant die Landesregierung eine Änderung des Niedersächsischen Polizei- und Ordnungsbehördengesetzes. Der Gesetzentwurf sieht unter anderem vor, die elektronische Aufenthaltsüberwachung auch in Fällen häuslicher Gewalt einzusetzen, um Täter in Hochrisikosituationen besser kontrollieren und Betroffene schützen zu können.

Weniger junge Tatverdächtige und rückläufige Cannabisdelikte

Die Zahl der aufgeklärten Straftaten mit Tatverdächtigen unter 21 Jahren sank auf 56.643 Fälle und lag damit deutlich unter dem Vorjahreswert. Rückgänge zeigten sich insbesondere bei typischen Jugenddelikten wie Diebstahl und Sachbeschädigung sowie bei Rohheitsdelikten.

Auch bei Delikten im Zusammenhang mit Cannabis verzeichnete die Polizei einen deutlichen Rückgang von mehr als 50 Prozent. Dies wird vor allem auf die Entkriminalisierung konsumnaher Delikte durch das Konsumcannabisgesetz zurückgeführt. Gleichzeitig gehen die Behörden davon aus, dass ein erheblicher Teil der Nachfrage weiterhin über den illegalen Markt gedeckt wird.

Zur Prävention schwerer Gewalttaten plant das Landeskriminalamt zudem die Einführung eines landesweiten Konzepts zur Früherkennung und zum Bedrohungsmanagement. Das Programm soll ab April 2026 schrittweise umgesetzt werden und eine frühzeitige Identifikation potenziell gefährlicher Personen ermöglichen.

Markiert:
Cookie Consent mit Real Cookie Banner