
Nürnberg, 28. Januar 2026 (JPD) – Die „Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen“ (ZKG) hat seit ihrer Gründung im September 2020 knapp 2.000 Verfahren eingeleitet. Bayerns Justizminister Georg Eisenreich betont die Bedeutung der spezialisierten Einheit: „Die Täter riskieren in Einzelfällen Menschenleben.“ Die ZKG ist bei der Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg angesiedelt und soll Korruptions- und Vermögensdelikte im Gesundheitswesen bayernweit einheitlich verfolgen.
Neuer Leiter und spezialisiertes Team
Im Dezember 2025 übernahm Leitender Oberstaatsanwalt Torsten Haase die Führung der ZKG von Richard Findl. Haase arbeitet mit 14 erfahrenen Staatsanwälten, zwei IT-Spezialisten sowie Fachkräften für Abrechnungswesen und Buchhaltung zusammen. Die Zentralstelle prüft komplexe Fälle, koordiniert Ermittlungen mit Polizei, Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung und verfolgt systematischen Abrechnungsbetrug, der häufig Schäden im sechs- bis siebenstelligen Bereich verursacht.
Abrechnungsbetrug, Corona-Test-Betrug und Hinweisgeber
Die ZKG bearbeitet vor allem Betrugsfälle von Angehörigen der Heilberufe, darunter Ärzte, Apotheker und Pflegekräfte. Seit Juni 2021 ist die Zentralstelle auch für Corona-Test-Betrug zuständig. Hinweise auf mögliche Delikte stammen von Krankenkassen, der Kassenärztlichen Vereinigung, Mitarbeitern oder Angehörigen der Patienten. Ein eigens eingerichtetes anonymes Hinweisgebersystem hat seit Oktober 2021 zur Einleitung von 676 Verfahren geführt.
Finanzielle Folgen und Rückforderungen
Bayerns Justizminister Eisenreich schätzt den bundesweiten Schaden durch Betrug im Gesundheitswesen auf rund 30 Milliarden Euro jährlich. Allein in Bayern konnten Gerichte seit 2020 Wertersatz von über 22 Millionen Euro anordnen, darunter Sachwerte wie Luxusfahrzeuge. Beschuldigte erstatten freiwillig häufig deutlich höhere Beträge als in anderen Deliktsbereichen.
Eisenreich betont: „Die Ermittler konzentrieren sich auf die schwarzen Schafe, die sich ungerechtfertigt bereichern und dabei die Versorgung der Patienten gefährden. Der Großteil der Leistungserbringer arbeitet redlich.“ Die ZKG soll auch in Zukunft die Integrität des bayerischen Gesundheitswesens sichern und Korruption gezielt verfolgen.






