
Wiesbaden, 10. Februar 2026 (JPD) – Weniger als zehn Prozent der Gewalterfahrungen in Deutschland werden angezeigt, wie die neue Dunkelfeldstudie „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“ (LeSuBiA) zeigt. Besonders betroffen sind Frauen, junge Menschen, Personen mit Migrationshintergrund sowie Angehörige der queeren Community. Die Untersuchung des Bundeskriminalamts in Kooperation mit dem Bundesministerium des Innern und dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend dokumentiert erstmals umfassend die tatsächliche Betroffenheit von Gewalt – unabhängig von offiziellen Anzeigen.
Dunkelfeld bei partnerschaftlicher und sexualisierter Gewalt besonders hoch
Die Anzeigequoten für Gewalttaten liegen bei den meisten Formen unter zehn Prozent. Innerhalb von (Ex-)Partnerschaften werden psychische und körperliche Gewalttaten in weniger als fünf Prozent der Fälle angezeigt. Frauen sind häufiger und stärker von partnerschaftlicher Gewalt betroffen, insbesondere bei sexuellen Übergriffen, Belästigung und Stalking. Männer erfahren in den letzten fünf Jahren vergleichsweise oft psychische Gewalt und kontrollierende Maßnahmen, während Frauen schwerere Verletzungen und größere Lebensgefahr melden.
Junge Menschen berichten besonders häufig von sexueller Belästigung, digitaler Gewalt und dem Einsatz von K.O.-Tropfen. Viele haben bereits in Kindheit und Jugend Gewalt durch Eltern oder Erziehungsberechtigte erlebt. Menschen mit Migrationshintergrund und Angehörige der LSBTIQ*-Community sind ebenfalls überdurchschnittlich von Gewalt betroffen.
Die Studie zeigt, dass nahezu jede zweite Frau (48,7 %) und vier von zehn Männern (40 %) psychische Gewalt in Partnerschaften erlebt haben. Sexuelle Belästigung erfuhr fast jede zweite Person im Leben, 11,2 % wurden Opfer sexueller Übergriffe. Stalking traf 21,2 % der Bevölkerung, digitale Gewalt jede fünfte Frau und jeden siebten Mann innerhalb der letzten fünf Jahre.
BKA-Präsident Holger Münch betonte, dass die Daten eine verlässliche Grundlage für den Ausbau von Schutz- und Hilfsangeboten bieten. Bundesfamilienministerin Karin Prien und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt unterstrichen die Notwendigkeit von Prävention, flächendeckendem Opferschutz und härteren Sanktionen für Täter.
LeSuBiA basiert auf Befragungen von rund 15.000 Personen im Alter von 16 bis 85 Jahren und erfasst Erfahrungen mit Partnerschaftsgewalt, sexualisierter Gewalt, Stalking und digitaler Gewalt. Die Ergebnisse sollen politische Entscheidungen und Präventionsmaßnahmen unterstützen sowie die Diskrepanzen zwischen Hell- und Dunkelfeld sichtbar machen.





