
Münster, 13. März 2026 (JPD) Die Verwaltungsgerichtsbarkeit in Nordrhein-Westfalen verzeichnet weiter steigende Fallzahlen, zugleich aber kürzere Verfahrensdauern. Im Jahr 2025 gingen bei den sieben Verwaltungsgerichten rund 70.200 neue Verfahren ein, etwa 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch beim Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen wurden mit rund 6.500 Neueingängen etwa 15 Prozent mehr Verfahren registriert. Das teilte OVG-Präsident Dr. Carsten Günther beim Jahrespressegespräch des Gerichts mit.
Trotz der höheren Belastung konnten die Gerichte mehr Verfahren abschließen und die durchschnittliche Dauer der Verfahren reduzieren. Hauptsacheverfahren wurden an den Verwaltungsgerichten im Schnitt nach rund zwölf Monaten entschieden, am Oberverwaltungsgericht nach etwa zehn Monaten. Die Gerichte strebten an, die Laufzeiten weiter zu verkürzen, erklärte Günther.
Spezialisierte Asylkammern beschleunigen Verfahren
Ein wesentlicher Faktor für schnellere Entscheidungen im Asylrecht ist nach Angaben des Gerichts die Einführung spezialisierter Asylspruchkörper. Seit Mitte 2024 wurden an den Verwaltungsgerichten schrittweise reine Asylkammern eingerichtet. Inzwischen bestehen dort insgesamt zwölf solcher Kammern. Zusätzlich nahm zum 1. Januar 2026 am Oberverwaltungsgericht erstmals ein eigener Asylsenat – der 23. Senat – seine Arbeit auf.
Die Zahl neuer Asylverfahren stieg 2025 auf rund 30.800 und damit um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Fünfjahresvergleich hat sich das Aufkommen mehr als verdoppelt. Auch beim Oberverwaltungsgericht nahm die Zahl neuer Asylverfahren deutlich zu und lag mit etwa 2.300 Eingängen rund 40 Prozent über dem Wert des Vorjahres.
Gleichzeitig sank die durchschnittliche Dauer der Asylverfahren deutlich. Hauptsacheverfahren an den Verwaltungsgerichten dauerten 2025 im Schnitt 12,6 Monate und damit nur noch etwa halb so lange wie im Jahr 2021. In den speziell eingerichteten Asylkammern lag die durchschnittliche Verfahrensdauer zuletzt sogar bei knapp sieben Monaten. Beim Oberverwaltungsgericht betrug sie 2025 rund 6,6 Monate und erreichte damit den niedrigsten Wert seit 2019.
Die Einrichtung zusätzlicher Asylkammern wurde teilweise durch neue Stellen im Landeshaushalt ermöglicht, teilweise durch organisatorische Änderungen innerhalb der Gerichte. Gleichwohl sieht das Oberverwaltungsgericht weiterhin einen erheblichen Arbeitsdruck. Nach Einschätzung von Präsident Günther gleichen die zusätzlichen Stellen die starken Zuwächse bei den Verfahren bislang nicht vollständig aus. Ziel bleibe es, qualitativ hochwertige Entscheidungen in möglichst kurzer Zeit zu gewährleisten.




