
Berlin, 21. Januar 2026 (JPD) – Die Stahlproduktion in Deutschland ist 2025 erneut deutlich gesunken. Mit 34,1 Millionen Tonnen lag die Rohstahlerzeugung rund neun Prozent unter dem bereits schwachen Vorjahreswert. Damit erreichte die Branche eines der niedrigsten Produktionsniveaus seit der deutschen Wiedervereinigung; vergleichbar niedrige Werte wurden zuletzt während der Finanzkrise 2009 registriert. Zugleich sank die Kapazitätsauslastung auf unter 70 Prozent und damit auf ein für die energieintensive Stahlindustrie kritisches Niveau.
Bereits im vierten Jahr in Folge blieb die Produktion unter der Marke von 40 Millionen Tonnen, die als Schwelle für eine wirtschaftlich tragfähige Auslastung gilt. Seit 2018 wurde diese Grenze insgesamt sechsmal unterschritten. Nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl verharrt die Branche damit weiterhin auf Rezessionsniveau. Auch die Stahlnachfrage auf dem deutschen Markt entwickelte sich 2025 schwach und lag mit hochgerechneten rund 30 Millionen Tonnen unter dem Durchschnitt der vergangenen vier Jahre.
Importdruck, Energiepreise und Nachfrage belasten den Stahlstandort
Nach Einschätzung der Wirtschaftsvereinigung Stahl sind die Rückgänge bei Produktion und Nachfrage Ausdruck struktureller Belastungen. Neben einer historisch schwachen Inlandsnachfrage wirke ein wachsender Importdruck auf den europäischen Markt, während die Energiepreise international nicht wettbewerbsfähig seien. Die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes, Kerstin Maria Rippel, verwies darauf, dass politische Gegenmaßnahmen auf nationaler und europäischer Ebene zwar angestoßen, bislang jedoch nur teilweise umgesetzt worden seien.
Besonders angespannt zeigt sich die Lage im Außenhandel. Inzwischen stammt rund jede dritte in der Europäischen Union eingesetzte Tonne Stahl aus Nicht-EU-Staaten. Globale Überkapazitäten, vor allem in Asien, sowie handelspolitische Spannungen verschärfen den Wettbewerbsdruck. Nach Auffassung des Verbandes ist deshalb ein wirksames europäisches Schutzinstrument erforderlich, um den Importdruck auf den EU-Markt zu begrenzen und die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Stahlindustrie zu sichern.
Ein weiterer zentraler Faktor bleibt die Energieversorgung. Die derzeitigen Strompreise gelten in der Branche als erhebliche Belastung und zugleich als Hemmnis für den Umbau der Stahlproduktion hin zur Klimaneutralität. Nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl seien dauerhaft niedrigere Netzentgelte, die Fortführung der Strompreiskompensation sowie kombinierte Entlastungsinstrumente notwendig, um einen international wettbewerbsfähigen Industriestrompreis zu erreichen.
Zugleich sieht der Verband Entwicklungschancen im Aufbau von Märkten für zunehmend emissionsarmen Stahl aus der Europäischen Union. Auf nationaler Ebene komme der Reform des Vergaberechts eine Schlüsselrolle zu, damit bei öffentlichen Investitionen klimafreundliche Grundstoffe verbindlich berücksichtigt werden. Ergänzend seien europäische Vorgaben erforderlich, um die Nachfrage nach CO₂-armem Stahl gezielt zu stärken und neue Konjunkturimpulse für die Stahlindustrie in Deutschland und der EU zu setzen.