
Wiesbaden, 3. Februar 2026 (JPD) – In Deutschland leben immer mehr Menschen mit einem Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze. Nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) waren zuletzt rund 13,3 Millionen Personen armutsgefährdet. Das entspricht 16,1 Prozent der Bevölkerung und damit einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr, als die Quote noch bei 15,5 Prozent lag. Grundlage sind Erstergebnisse der Mikrozensus-Unterstichprobe zu Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) 2025.
Als armutsgefährdet gilt nach EU-Definition, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Äquivalenzeinkommens der Gesamtbevölkerung zur Verfügung hat. Für alleinlebende Personen lag dieser Schwellenwert 2025 bei netto 1.446 Euro im Monat, für Haushalte mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren bei 3.036 Euro. Da das Jahreseinkommen erhoben wird, beziehen sich die Angaben der EU-SILC-Erhebung 2025 auf die Einkommensverhältnisse des Jahres 2024.
Die Entwicklung zeigt, dass trotz stabiler Erwerbsquoten große Teile der Bevölkerung finanziell unter Druck stehen. Besonders bestimmte Haushaltsformen und Erwerbsstatusgruppen sind überdurchschnittlich häufig von Armut betroffen.
Alleinlebende, Alleinerziehende und Arbeitslose besonders gefährdet
Nach Haushaltstypen betrachtet weisen Alleinlebende mit einer Armutsgefährdungsquote von 30,9 Prozent den höchsten Wert auf. Auch Menschen in Alleinerziehenden-Haushalten sind stark betroffen: 28,7 Prozent verfügten zuletzt über ein Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze. Damit liegt das Risiko in diesen Gruppen deutlich über dem Bevölkerungsdurchschnitt.
Noch ausgeprägter zeigt sich die soziale Ungleichheit beim Blick auf den überwiegenden Erwerbsstatus. Arbeitslose erreichen mit 64,9 Prozent die mit Abstand höchste Armutsgefährdungsquote. Aber auch andere Nichterwerbstätige sind mit 33,8 Prozent überdurchschnittlich betroffen. Selbst Personen im Ruhestand liegen mit 19,1 Prozent noch über dem Durchschnittsniveau. Die Zahlen verdeutlichen, dass Armutsrisiken nicht nur Erwerbslose, sondern auch große Teile der nicht oder nicht mehr erwerbstätigen Bevölkerung treffen.
Über die reine Einkommenslage hinaus betrachtet Destatis auch die gesellschaftliche Teilhabe. Demnach waren im Jahr 2025 rund 17,6 Millionen Menschen in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Das entspricht 21,2 Prozent der Bevölkerung und blieb gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert. Nach der EU-Definition fällt darunter, wessen Einkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze liegt, wessen Haushalt erheblich materiell oder sozial entbehrt oder wer in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung lebt.
Die Destatis-Daten zeichnen damit ein umfassendes Bild der sozialen Lage in Deutschland: Steigende Armutsgefährdung bei Einkommen und ein konstant hoher Anteil sozialer Ausgrenzung stellen Politik und Sozialstaat weiter vor erhebliche Herausforderungen.





