ZDF-Politbarometer: Schwarz-Rot weiter ohne Mehrheit

Mainz, 06.02.2026 (PM) – Aus Teilen der Union gibt es den Vorwurf, dass Arbeitnehmer in Deutschland im Allgemeinen zu wenig arbeiten. Lediglich 20 Prozent der Befragten meinen, dieser Vorwurf sei gerechtfertigt, 75 Prozent sind gegenteiliger Ansicht, darunter auch 52 Prozent der CDU/CSU-Anhänger (Rest zu 100 Prozent hier und im Folgenden jeweils „weiß nicht“). Wenn es jedoch um die Ankurbelung der Wirtschaft geht, sehen es 48 Prozent der Befragten als wichtig an, dass in Deutschland insgesamt mehr gearbeitet wird, 49 Prozent halten das für weniger oder gar nicht wichtig. Klare Einstellungsunterschiede zeigen sich hier in Abhängigkeit vom Alter: Während 61 Prozent der ab 60-Jährigen die Mehrarbeit als wichtigen Beitrag zur Konjunktur betrachten, sind es bei den 18- bis 34-Jährigen (36 Prozent) und den 35- bis 59-Jährigen (38 Prozent) deutlich weniger. Einigkeit gibt es hinsichtlich der Voraussetzungen für ein Mehr an Arbeitsleistung: 89 Prozent halten hier eine Verbesserung der ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen für Arbeitnehmer für wichtig (nicht wichtig: 9 Prozent).

Sozialleistungen in Deutschland

Beim Thema Sozialleistungen präferieren 60 Prozent aller Befragten und Mehrheiten in den Anhängergruppen von CDU/CSU, SPD, Grünen und Linke ein Land, in dem man hohe Steuern bezahlt, dafür aber auch die Sozialleistungen umfangreich sind. Insgesamt 27 Prozent, darunter die meisten AfD-Anhänger, sprechen sich hingegen für ein Land mit niedrigen Steuern und geringen Sozialleistungen aus. Was den Umfang der bestehenden Sozialleistungen in Deutschland angeht, hält ein Drittel (33 Prozent) der Befragten diesen für zu groß, 19 Prozent für zu klein und 43 Prozent sind mit dem Status Quo zufrieden.

Sozialversicherungen in Deutschland

Kritisch sind die Deutschen hinsichtlich des Zustands unserer Sozialversicherungen wie Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung: Für nur 9 Prozent ist da im Großen und Ganzen alles in Ordnung, für 57 Prozent gibt es hier größere Probleme und für 31 Prozent stehen die Sozialversicherungen kurz vor dem Zusammenbruch. Die Lösung der Finanzierungsprobleme bei diesen Versicherungen sieht eine Mehrheit von 58 Prozent der Deutschen hauptsächlich im Einsatz von mehr Steuermitteln. 15 Prozent ziehen Leistungskürzungen und 6 Prozent Beitragserhöhungen als primäre Lösung vor. Gering ist in diesem Zusammenhang das Vertrauen in die Bundesregierung: Lediglich 25 Prozent gehen davon aus, dass Schwarz-Rot einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Probleme bei den Sozialversicherungen leisten wird, fast drei Viertel (73 Prozent) haben daran Zweifel, darunter auch 47 Prozent der CDU/CSU- und 59 Prozent der SPD-Anhänger.

Projektion: Schwarz-Rot weiter ohne Mehrheit

Wenn am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, läge die CDU/CSU unverändert bei 26 Prozent, die AfD hätte leichte Verluste und käme auf 24 Prozent (minus 1). Die SPD bliebe bei 15 Prozent (unverändert), die Grünen würden sich auf 13 Prozent (plus 1) verbessern und die Linke würde erneut 10 Prozent (unverändert) erreichen. Alle anderen Parteien bekämen zusammen 12 Prozent (unverändert), darunter keine Partei, die mindestens drei Prozent erzielen würde. Mit diesem Ergebnis hätte Schwarz-Rot nach wie vor keine parlamentarische Mehrheit.

Top Ten

Bei der Beurteilung von Politikerinnen und Politikern nach Sympathie und Leistung („Was halten Sie von?“) liegt Verteidigungsminister Boris Pistorius nach wie vor auf Platz eins. Er wird auf der Skala von +5 bis -5 mit einem Durchschnittswert von 2,0 (hier und im Folgenden Vergleichswert von Januar: 1,9) bewertet. Weiterhin mit großem Abstand folgen Johann Wadephul mit 0,6 (0,7), Lars Klingbeil mit 0,4 (0,4) und Bärbel Bas mit 0,3 (0,0). Danach kommen Neueinsteigerin Heidi Reichinnek mit minus 0,4, Alexander Dobrindt mit minus 0,5 (minus 0,3), Friedrich Merz mit minus 0,7 (minus 0,4) und Katherina Reiche mit minus 0,9 (minus 0,6). Markus Söder liegt mit ebenfalls minus 0,9 (minus 0,5), sein schlechtester Wert seit fast acht Jahren, auf Rang neun. Schlusslicht bleibt Alice Weidel mit minus 2,6 (minus 2,5).

Ukraine-Krieg

Trotz laufender Gespräche zwischen Russland und der Ukraine zur Beendigung des Krieges meinen nur 16 Prozent der Deutschen, darunter mit 51 Prozent weit überdurchschnittlich viele AfD-Anhänger, dass der russische Präsident Putin ernsthaftes Interesse an einer dauerhaften Waffenruhe hat. 80 Prozent und klare Mehrheiten in den anderen Parteianhängergruppen bezweifeln das. Folglich glaubt – ähnlich wie in den vergangenen Monaten – der Großteil der Deutschen (91 Prozent) nicht, dass es in den nächsten Wochen zu einer dauerhaften Waffenruhe im Ukraine-Krieg kommen wird (kommt dazu: 6 Prozent). Zudem erwarten im Kontext dieses Krieges 45 Prozent einen Angriff Russlands auch auf östliche NATO-Länder wie Polen oder die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. 50 Prozent der Deutschen, darunter die meisten AfD-Anhänger (74 Prozent), rechnen nicht damit.

Konflikt zwischen Iran und USA

Vor dem Hintergrund der Lage im Iran und des Konflikts zwischen Iran und den USA finden es lediglich 17 Prozent der Deutschen gut, wenn die USA in Iran militärisch eingreifen, 61 Prozent finden das schlecht und 12 Prozent ist das egal. Mit ursächlich für diese mehrheitlich ablehnende Haltung ist sicher auch die Erwartung eines Flächenbrandes: Wenn es zu einem militärischen Eingreifen der USA in Iran kommt, prognostizieren knapp drei Viertel (73 Prozent) der Befragten eine Ausweitung des Konflikts auch auf andere Länder in der Region (keine Ausweitung: 21 Prozent). Zudem bezweifeln 58 Prozent, dass sich durch die geplanten Gespräche zwischen den beiden Ländern die Lage beruhigen wird, 35 Prozent äußern sich dahingehend optimistisch.

Methodik der Umfrage

Die Umfrage zum Politbarometer wurde wie immer von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der Zeit vom 3. bis 5. Februar 2026 bei 1.289 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch und online erhoben. Dabei wurden sowohl Festnetz- als auch Mobilfunknummern berücksichtigt. Die Befragung ist repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der Fehlerbereich beträgt bei einem Anteilswert von 40 Prozent rund +/- drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von 10 Prozent rund +/-zwei Prozentpunkte. Daten zur politischen Stimmung: CDU/CSU 27 Prozent, AfD 18 Prozent, SPD 17 Prozent, Grüne 19 Prozent, Linke 10 Prozent. Das nächste Politbarometer sendet das ZDF am Freitag, 27. Februar 2026.

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