
Bamberg, 7. Januar 2026 (JPD) – Die Zentralstelle Cybercrime Bayern hat Anklage gegen einen mutmaßlichen Hauptverantwortlichen eines internationalen Online-Betrugsnetzwerks erhoben, das unter dem Namen „Milton Group“ bekannt wurde. Dem 50-jährigen israelischen und georgischen Staatsangehörigen wird vorgeworfen, über Jahre hinweg ein komplexes System betrügerischer Investmentplattformen betrieben und Anleger in großem Umfang geschädigt zu haben. Allein im deutschsprachigen Raum sollen mehr als 1.000 Personen betroffen sein.
Der Beschuldigte wurde im August 2023 in Armenien festgenommen und im Mai 2024 nach Deutschland ausgeliefert. Seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft in einer bayerischen Justizvollzugsanstalt. Die Anklage ist zur Hauptverhandlung zugelassen worden; der Prozess vor der Cyber-Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Bamberg soll Mitte Januar beginnen.
Internationales Betrugsnetzwerk mit Callcentern in mehreren Staaten
Nach dem Ergebnis jahrelanger Ermittlungen soll der Angeschuldigte spätestens seit 2014 Teil einer international agierenden Tätergruppierung gewesen sein. Diese betrieb Callcenter unter anderem in Albanien, Georgien, Nordmazedonien und der Ukraine. Mitarbeiter der Callcenter sollen Anleger gezielt dazu gebracht haben, über vermeintliche Online-Handelsplattformen hohe Geldbeträge zu investieren, insbesondere in angebliche Finanz- und Kryptowertgeschäfte.
Den Kunden wurde vorgetäuscht, über digitale Plattformen mit verschiedenen Finanzinstrumenten handeln zu können. Tatsächlich gingen die eingezahlten Gelder nach den Ermittlungen regelmäßig vollständig verloren. Zur Anwerbung neuer Investoren wurden auch irreführende Werbekampagnen eingesetzt, die unter anderem mit prominenten Persönlichkeiten und Politikern arbeiteten.
Zwei zentrale Tatkomplexe im Fokus der Anklage
Konkret wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten zwei Tatkomplexe vor. Zum einen soll er von Ende 2014 bis Mai 2019 ein Callcenter in Tirana mit zeitweise rund 600 Beschäftigten geleitet haben. Über mindestens 28 betrügerische Plattformen sollen dabei etwa 180 Geschädigte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz um rund acht Millionen Euro gebracht worden sein. Sichergestellte Unterlagen deuten darauf hin, dass der tatsächliche Schaden deutlich höher liegen könnte.
Zum anderen soll der Beschuldigte maßgeblich an der Entwicklung und Verbreitung einer speziellen Software für betrügerisches Cybertrading mitgewirkt haben. Diese Software soll zunächst im eigenen Callcenter eingesetzt und anschließend von Georgien aus an weitere betrügerische Callcenter vertrieben worden sein. Auf dieser Grundlage sollen weltweit hunderte Fake-Investmentplattformen betrieben worden sein, durch die allein im deutschsprachigen Raum mehr als 500 weitere Geschädigte einen Schaden von rund 44 Millionen Euro erlitten haben.
Ermittlungen seit sechs Jahren – internationale Zusammenarbeit
Die Ermittlungen werden seit rund sechs Jahren von der Zentralstelle Cybercrime Bayern gemeinsam mit der Kriminalpolizeiinspektion mit Zentralaufgaben Oberfranken sowie weiteren nationalen und internationalen Behörden geführt. Aufgrund der grenzüberschreitenden Struktur des Netzwerks wurde frühzeitig ein gemeinsames internationales Ermittlungsteam gebildet, an dem insbesondere Strafverfolgungsbehörden aus Albanien und Georgien beteiligt sind.
Insgesamt geht die Anklage von einem nachgewiesenen Schaden von rund 52 Millionen Euro aus, während der weltweite Dunkelfeldschaden auf mindestens 180 Millionen Euro geschätzt wird. Dem Angeschuldigten sollen dabei selbst rund 29 Millionen Euro zugeflossen sein. Ihm wird gewerbs- und bandenmäßiger Betrug in zwei Fällen vorgeworfen, wofür das Gesetz Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren vorsieht. Gegen weitere Mitglieder der Tätergruppierung dauern die Ermittlungen an; einzelne Beteiligte befinden sich bereits in Untersuchungshaft.