
Bamberg, 24. Januar 2026 (JPD) – Nach jahrelangen Ermittlungen der Kriminalpolizeiinspektion Neu-Ulm und der Zentralstelle Cybercrime Bayern steht der mutmaßliche Kopf eines international agierenden Betrugsnetzwerks vor Gericht. Die Spezialstaatsanwaltschaft hat Anklage gegen einen 42-jährigen israelisch-portugiesischen Staatsangehörigen erhoben, der im Juli 2025 nach einem langwierigen Auslieferungsverfahren aus Costa Rica nach Deutschland überstellt worden war. Dem Beschuldigten wird gewerbs- und bandenmäßiger Betrug in Millionenhöhe vorgeworfen. Der Schaden deutscher Geschädigter soll sich auf knapp 4,5 Millionen Euro belaufen.
Der Mann war im August 2023 in Costa Rica festgenommen worden. Nach Abschluss des mehr als zweijährigen Auslieferungsverfahrens wurde er an die deutschen Behörden übergeben und befindet sich seither in Untersuchungshaft. Im Oktober 2025 ließ die Zentralstelle Cybercrime Bayern die Anklage zur Hauptverhandlung vor der Cyber-Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Bamberg zu.
Internationales Betrugsnetzwerk mit Trading-Plattformen im Fokus
Nach dem Ergebnis der Ermittlungen soll der Angeklagte zwischen Februar 2017 und März 2021 gemeinsam mit einem weiteren Beschuldigten an der Spitze eines professionell organisierten und hierarchisch strukturierten Betrugsnetzwerks gestanden haben. Ihm wird vorgeworfen, die Gruppierung aufgebaut und aus dem Hintergrund die strategischen Entscheidungen gesteuert zu haben. Operativ soll das Netzwerk vor allem aus Pristina im Kosovo heraus agiert haben.
Kern der Vorwürfe sind betrügerische Online-Trading-Plattformen, über die Anleger zur Einzahlung von Geldern bewegt worden sein sollen. Zu den nach den Ermittlungen erfolgreichsten Plattformen gehörten „FXC Markets“ und „World FXM“. Insgesamt soll der Angeklagte über sechs verschiedene Plattformen einen Schaden von knapp 4,5 Millionen Euro bei deutschen Geschädigten mitverursacht haben. Nach internen Unterlagen der Gruppierung gehen die Ermittler weltweit von einem tatsächlichen Schaden von mindestens 21 Millionen Euro aus. Dem Angeklagten persönlich sollen daraus mindestens sechs Millionen Euro zugeflossen sein.
Ermittlungen über mehrere Kontinente
Die Aufklärung des Komplexes stützt sich auf eine enge internationale Zusammenarbeit. Bereits im März 2021 kam es in Pristina zu einem gemeinsamen Action Day mit den kosovarischen Behörden. Weitere Durchbrüche folgten im August 2023, als die Ermittler gemeinsam mit costa-ricanischen Stellen die Wohnung des Beschuldigten durchsuchten und ihn festnahmen.
Dabei konnten nach Angaben der Justiz Vermögenswerte in siebenstelliger Höhe gesichert werden, darunter auch die Privatvilla des Angeklagten. Die Maßnahmen erfolgten in Kooperation mit Partnerbehörden innerhalb und außerhalb der Europäischen Union. Ende Juli 2025 wurde der Tatverdächtige schließlich nach Deutschland ausgeliefert und in Untersuchungshaft genommen.
Auch weitere mutmaßliche Drahtzieher stehen im Fokus. Ein als Geschäftspartner geführter Beschuldigter, der 2022 auf Ibiza festgenommen und wieder entlassen worden war, wurde inzwischen in Israel verhaftet. Die deutschen Behörden betreiben derzeit dessen Auslieferung.
Zahlreiche Verurteilungen im Verfahrenskomplex
Im Gesamtkomplex liegen bereits mehrere rechtskräftige Entscheidungen vor. Sieben Callcenter-Mitarbeiter wurden von bayerischen Gerichten zu Freiheitsstrafen zwischen einem Jahr und vier Jahren verurteilt. Fünf weitere Mittäter in Führungspositionen erhielten Haftstrafen zwischen zwei Jahren und fünf Jahren und sechs Monaten.
Zuletzt wurde im Oktober 2025 ein Mitglied der Callcenter-Leitung vom Landgericht Bamberg zu vier Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt; das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Prozess gegen den nun angeklagten mutmaßlichen Hauptverantwortlichen soll Mitte Februar vor der Cyber-Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Bamberg beginnen. Die Anklage wurde unverändert zur Hauptverhandlung zugelassen.
Mit dem Verfahren rückt erneut die Arbeit der Zentralstelle Cybercrime Bayern in den Fokus, die seit 2015 landesweit für herausgehobene Ermittlungen im Bereich der Cyber- und Wirtschaftskriminalität zuständig ist. Der Fall gilt als eines der umfangreichsten bayerischen Verfahren gegen international organisierte Online-Betrugssysteme.