
Bonn, 30. Januar 2026 (JPD) – Das Bundeskartellamt hat den geplanten Erwerb der Exact Sciences Corporation durch die Abbott Laboratories freigegeben. Die Bonner Wettbewerbsbehörde genehmigte den Zusammenschluss im Vorprüfverfahren, da keine erheblichen Wettbewerbsbedenken festgestellt wurden. Beide Unternehmen mit Sitz in den USA sind im Bereich der molekularen Diagnostik tätig, unter anderem bei Anwendungen in der Krebsmedizin.
Abbott ist in den Geschäftsfeldern Arzneimittel, Ernährungsprodukte, Medizintechnik und Diagnostik aktiv, einschließlich molekularer Testverfahren. Exact Sciences ist auf molekulare Diagnostik zur Krebsfrüherkennung und zur Unterstützung personalisierter Therapieentscheidungen spezialisiert. Mit der Freigabe kann die Transaktion ohne vertiefte kartellrechtliche Prüfung umgesetzt werden.
Keine Substitutionsbeziehung bei Gentests
Nach Einschätzung des Bundeskartellamts stehen die Produkte beider Unternehmen nicht in einem unmittelbaren Wettbewerbsverhältnis. In der onkologischen Diagnostik gewinnen Gentests für Erkennung, Therapieauswahl, Behandlung und Nachsorge von Krebserkrankungen zunehmend an Bedeutung. Die Tests werden für sehr spezifische Anwendungen entwickelt und sind regelmäßig nicht austauschbar.
Behördenpräsident Andreas Mundt erklärte, der Zusammenschluss habe ohne vertiefte Prüfung freigegeben werden können, weil die Tests von Abbott und Exact Sciences keine Substitute seien. Zwar seien beide Unternehmen im Bereich der onkologischen molekularen Diagnostik aktiv und vertreiben in Deutschland Produkte für den Einsatz bei Brustkrebs, diese erfüllten jedoch unterschiedliche Funktionen und basierten auf verschiedenen Technologien. Dadurch entstehe kein wettbewerblich relevanter Überschneidungsmarkt.
Unterschiedliche Anwendungen bei Brustkrebstests
Exact Sciences ist international insbesondere für den stuhlbasierten Darmkrebstest „Cologuard“ bekannt, der bislang nur in den USA angeboten wird. In Deutschland vertreibt das Unternehmen den Brustkrebstest „Oncotype DX“. Dieser unterstützt die Therapieentscheidung bei bereits diagnostiziertem Brustkrebs, indem er die individuelle Wirksamkeit einer Chemotherapie prognostiziert.
Abbott bietet demgegenüber einen Brustkrebstest an, der der Diagnose einer speziellen Brustkrebsart dient. Nach Angaben des Bundeskartellamts sind die Marktanteile von Abbott bei molekularen Diagnostiktests für die Onkologie in Deutschland bislang vergleichsweise gering. Vor diesem Hintergrund sei nicht zu erwarten, dass der Zusammenschluss den Wettbewerb spürbar beeinträchtigt.
Dynamischer Markt für molekulare Diagnostik
Die molekulare onkologische Diagnostik gilt als innovationsgetriebener Wachstumsmarkt. Organ-, Gewebe- und Blutproben werden zunehmend mit molekularbiologischen Verfahren untersucht, sowohl in spezialisierten Laboren als auch vor Ort in medizinischen Einrichtungen. Für den deutschen Markt rechnet das Bundeskartellamt mit weiterem Wachstum.
Zu den bedeutenden Anbietern in diesem Segment zählen in Deutschland unter anderem Roche, Thermo Fisher und Danaher. Vor diesem Hintergrund sieht die Behörde auch nach der Übernahme von Exact Sciences durch Abbott ausreichend Wettbewerbsdruck in der onkologischen Diagnostik gewährleistet.




