
Bamberg/Regensburg, 26. Januar 2026 (JPD) – Die Zentralstelle Cybercrime Bayern hat im Oktober 2025 Anklage gegen zwei weitere mutmaßliche Verantwortliche der betrügerischen Anlageplattform GetFinancial erhoben. Den Angeklagten wird vorgeworfen, über Jahre hinweg führende Positionen in einem international agierenden Betrugsnetzwerk innegehabt zu haben. Bereits seit Ende 2018 laufen die Ermittlungen gemeinsam mit der Kriminalpolizeiinspektion mit Zentralaufgaben Oberpfalz, die auch grenzüberschreitende Maßnahmen in Israel und Georgien umfassten.
Das Netzwerk operierte nach bisherigen Erkenntnissen aus Callcentern in Israel, Georgien, der Republik Moldau und Armenien. Die Täter lockten Kunden aus Deutschland und weiteren Staaten in die Irre, indem sie vorgaben, Handelsplattformen für digitale Finanzinstrumente bereitzustellen. Die eingezahlten Gelder wurden jedoch nie investiert; die Plattformen und Kundenkonten dienten ausschließlich der Täuschung. Die Opfer verloren in der Regel ihre gesamten Investments.
Führungsriege erneut im Visier der Justiz
Angeklagt sind zwei Männer aus Israel, die der Führungsriege der Täterorganisation zugeordnet werden: Ein 41-jähriger Anwalt soll die „Rechtsabteilung“ geleitet und das Firmenkonstrukt des Netzwerks aufgebaut haben. Dabei soll er Rechtsgutachten für Banken und Behörden erstellt und sich als Miteigentümer mit 15 Prozent Unternehmensanteil bereichert haben. Ihm werden ein in Deutschland verursachter Gesamtschaden von über 5,1 Millionen Euro und die Beteiligung am Betrieb von sieben betrügerischen Plattformen, darunter GetFinancial, vorgeworfen.
Der zweite Angeklagte, ein 51-jähriger CEO, soll die operativen Geschäfte des Netzwerks von 2017 bis 2021 geführt und die Arbeitsabläufe kriminell professionalisiert haben. Ihm wird vorgeworfen, weltweit einen Gesamtschaden von mehr als 30,6 Millionen Euro verursacht zu haben. Unter anderem sollen auf den Plattformen ProCapitalMarkets und ProfitsTrade Geschädigte aus mehreren Staaten insgesamt rund 16,2 Millionen Euro investiert haben.
Beide Angeklagte wurden nach mehr als drei Jahren Auslieferungsverfahren im April 2025 aus Israel nach Deutschland gebracht und befinden sich seither in Untersuchungshaft in Bayern. Die Hauptverhandlung gegen den 51-jährigen Angeklagten soll Anfang Februar vor der Cyber-Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Bamberg beginnen. Über den 41-jährigen Angeklagten wurde noch nicht über die Eröffnung des Hauptverfahrens entschieden.
Die Ermittlungen gegen weitere Mitglieder der Täterorganisation dauern an. Seit April 2023 wurden bereits acht Männer und zwei Frauen in sechs Verfahren vor den Landgerichten Regensburg und Bamberg zu Freiheitsstrafen zwischen 2 Jahren und 6 Monaten sowie 5 Jahren und 9 Monaten verurteilt.






