Karlsruhe, 9. Februar 2026 (JPD) – Die Karlsruher Betreibergesellschaften Pro-Liberis gGmbH und Lenitas gGmbH haben Insolvenzanträge gestellt, um ihre Einrichtungen der Kindertagesbetreuung und Jugendhilfe im Rahmen eines Sanierungsverfahrens neu aufzustellen. Beide Träger betreiben in Karlsruhe und der Region mehr als 30 Einrichtungen. Der Geschäftsbetrieb läuft nach Angaben der Beteiligten uneingeschränkt weiter. Rund 600 Beschäftigte kümmern sich weiterhin um die Betreuung von Kindern und Jugendlichen.
Die Geschäftsführungen werden in den Verfahren von den vorläufigen Insolvenzverwaltern Dr. Jürgen Erbe für Pro-Liberis und Holger Blümle für Lenitas begleitet. Ziel der Verfahren ist es, die wirtschaftliche Grundlage der Gesellschaften mit den Instrumenten des Insolvenz- und Sanierungsrechts zu stabilisieren und die Betreuungsangebote langfristig zu sichern. Kinder, Eltern und Mitarbeitende sollen zeitnah über den Fortgang informiert werden.
Fortführung des Betriebs und Insolvenzgeld für Beschäftigte
Nach Angaben der vorläufigen Insolvenzverwalter bleiben alle Einrichtungen geöffnet und die Betreuungsleistungen unverändert. Die Löhne und Gehälter der rund 600 Mitarbeitenden – etwa 450 bei Pro-Liberis und rund 170 bei Lenitas – sind bis mindestens Ende März über das Insolvenzgeld abgesichert. Ab April sollen die Vergütungen wieder aus dem laufenden Geschäftsbetrieb erwirtschaftet werden.
In den kommenden Wochen sollen die Sanierungsoptionen gemeinsam mit der Geschäftsführung geprüft werden. Dabei spielen auch Gespräche mit öffentlichen Kostenträgern eine zentrale Rolle. Ziel ist eine nachhaltige Fortführung der Gesellschaften, ohne Einschnitte bei der Qualität der Betreuung und Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Eltern.
Nachfrage steigt – wirtschaftliche Schieflage durch Kostenentwicklung
Nach Darstellung der Beteiligten ist die Neuaufstellung unter anderem Folge einer expansiven Wachstumsstrategie sowie der Übernahme mehrerer Einrichtungen öffentlicher Träger auf Wunsch der Kommunen. Hinzu kommen deutliche Preissteigerungen der vergangenen Jahre, etwa bei Energie und Materialien. Bei weitgehend konstanten Einnahmen habe sich dadurch eine Liquiditätslücke gebildet, die aus eigener Kraft nicht mehr geschlossen werden konnte.
Gleichzeitig verzeichnen Pro-Liberis und Lenitas nach eigenen Angaben eine weiter steigende Nachfrage nach Betreuungs- und Unterstützungsleistungen in der Region Karlsruhe. Diese Entwicklung spreche für die grundsätzliche Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells, erfordere jedoch angepasste Strukturen, um den Betrieb wirtschaftlich tragfähig fortzuführen.
Pro-Liberis betreibt derzeit rund 20 Kindertagesstätten mit 907 genehmigten Plätzen, davon 440 für Kinder unter drei Jahren. Lenitas führt neun Kindertageseinrichtungen für Kinder mit und ohne Behinderung mit 452 Plätzen sowie zusätzliche Angebote der Kinder- und Jugendhilfe. Beide Träger sollen im Rahmen der Insolvenzverfahren organisatorisch und finanziell neu ausgerichtet werden.






