Insolvenz der Leuchten Manufactur Wurzen: Traditionsbetrieb stellt Geschäftsbetrieb bis Ende Februar ein

Wurzen, 3. Februar 2026 (JPD) – Der Geschäftsbetrieb der insolventen Leuchten Manufactur Wurzen wird mangels Investors spätestens zum Ende des Monats eingestellt. Trotz intensiver nationaler und internationaler Investorensuche liegt nach Angaben des Insolvenzverwalters Christian Krönert von der Kanzlei Schultze & Braun kein übernahmefähiges Angebot vor. Eine eigenständige Fortführung sei angesichts anhaltender Verluste wirtschaftlich nicht mehr möglich.

Noch bis in den Januar hinein habe es realistische Aussichten auf eine Übernahme der ältesten Leuchtenmanufaktur Deutschlands gegeben. Nach dem Insolvenzantrag im November 2025 wurden potenzielle Investoren im In- und Ausland angesprochen, darunter Unternehmen aus den Bereichen Restaurierung historischer Leuchten, kunsthandwerkliche Fertigung und angrenzenden Nischenmärkten. Auch über internationale Branchenkontakte seien Gespräche geführt worden. Am Ende hätten sich jedoch alle Interessenten aus unterschiedlichen Gründen zurückgezogen.

Kein Investor für die Leuchten Manufactur Wurzen

Nach Darstellung des Insolvenzverwalters kann der deutliche Auftragsrückgang des Jahres 2025 ohne frisches Kapital und ein tragfähiges Konzept nicht kompensiert werden. Ende Januar sei zudem der Insolvenzgeldzeitraum ausgelaufen, sodass das Unternehmen wieder unter Vollkosten wirtschaften müsse. Der laufende Geschäftsbetrieb verursache weiterhin Verluste, sodass eine Fortführung ohne Übernehmer ausgeschlossen sei.

Die Konsequenz ist die Betriebseinstellung bis spätestens Ende Februar 2026. Zwar bestehe formell weiterhin die Möglichkeit für neue Interessenten, kurzfristig einzusteigen und den Betrieb zu übernehmen. Realistisch betrachtet zeichne sich derzeit jedoch keine Lösung mehr ab. Parallel dazu sollen zentrale Vermögenswerte wie Formen, Konstruktionsdaten, Fertigungsmuster und weitere Sachwerte gesichert werden, um das über Jahrzehnte aufgebaute Know-how zumindest für künftige Restaurations- und Reproduktionsprojekte zu erhalten.

Die Leuchten Manufactur Wurzen geht auf eine im 19. Jahrhundert gegründete Bronzewarenfabrik zurück und gilt als älteste Leuchtenmanufaktur Deutschlands. In handwerklicher Fertigung werden dort historische Leuchten restauriert oder neu geschaffen. Arbeiten aus Wurzen finden sich unter anderem in der Dresdner Semperoper, dem Bremer Rathaus, der Michaeliskirche in Leipzig sowie in den Schlössern Hundisburg und Bad Muskau. Auch Sonderanfertigungen für Yachten und Privathäuser gehörten zum Leistungsportfolio.

Kündigungen für Mitarbeitende ab Februar

Die Belegschaft ist bereits über die wirtschaftliche Lage informiert worden. Aufgrund der bevorstehenden Einstellung des Geschäftsbetriebs müssen erste Mitarbeitende Anfang Februar gekündigt werden. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen acht Personen. Nach Angaben des Insolvenzverwalters hätten deren Fachkenntnisse und handwerkliche Qualität bei den Gesprächen mit Investoren einen positiven Eindruck hinterlassen, konnten die wirtschaftlichen Risiken jedoch nicht ausgleichen.

Mit dem Aus der Leuchten Manufactur Wurzen geht nicht nur ein weiterer Insolvenzfall in Sachsen zu Ende, sondern auch der Verlust eines spezialisierten Handwerksbetriebs mit kulturhistorischer Bedeutung. Der Fall zeigt, dass selbst traditionsreiche Unternehmen mit hoher Qualifikation der Belegschaft ohne ausreichende Auftragsbasis und Kapitalzufuhr keine Sanierungsperspektive haben.

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